Ende


So …
So fühlt es sich also an, ein Abitur in Händen zu halten …
8 Jahre habe ich darauf gewartet.
2 Jahre davon habe ich alles gegeben, um jeden einzelnen Punkt gekämpft…
für jeden Punkt habe ich mir ein Bein ausgerissen, und nicht zuletzt habe ich rhetorisch einige Punkte noch im Nachhinein eingesammelt.
Ich erinnere mich an die Worte meines Bio Lehrers, als ich hartnäckig um einen Punkt in der letzten Klausur diskutierte.
“ Aber was bringt dir denn der eine Punkt, das ist nur einer von 900″

Ja genau … nur einer von 900… aber jetzt ist dieser Punkt unglaublich wichtig geworden…
Ich habe 715 Punkte gesamt erreicht… das ergibt einen 1,6 Schnitt… einen einzigen Punkt weniger und ich hätte einen 1,7 Schnitt.
Oder um es anders auszudrücken:
Ein Punkt weniger und ich hätte mein Ziel nicht erreicht.

Das lässt bei genauerem Nachdenken doch irgendwie meinen Herzschlag aussetzen, weil es eine extreme ‚Punkt’landung war… wenn ich mir jetzt vorstelle, ich hätte damals nicht den einen Punkt in Bio rausdiskutiert oder das Referat in Mathe gehalten, die Sport Note nicht wiederholt, oder im Abi eine Kleinigkeit mehr falsch gemacht hätte, dann wäre ich jetzt doch ein kleines großes Stück weiter von meinem Ziel entfernt…

Es hätte vielleicht schon gereicht im Biologie Abitur der unbekannten Zweitprüferin nicht die Hand zu schütteln…
Auf dieses Ergebnis bin ich wirklich sehr stolz, habe ich es zwar in keiner schriftlichen Prüfung innerhalb der letzten zwei Jahre je geschafft 15 Punkte zu erreichen (1+) habe ich im Bio Kolloquium irgendwie 15 Punkte – ich möchte mal sagen – ABGERÄUMT.

… Alles begann mit dem Aufwachen. Es ist dieses typische Gefühl gewesen, das man hat, wenn man morgens die Augen öffnet und spürt, dass man heute allen zeigt wo der Hase lang läuft.
Ich setzte mich in die Mitte meines Zimmers und hörte den Song, der mich immer, egal in welcher Laune oder Situation in Kampfstimmung versetzt.
Ich ging noch ein paar letzte Dinge durch, aß zu Mittag und fuhr dann in die Schule.
Da ich zu früh zur Vorbereitung kam hatte ich noch Zeit ein bisschen nachzudenken.
Prompt viel es mir auf. Ich kenne die Zweitprüferin ja nicht mal… soll ich ihr die Hand schütteln?
… Ja klar das macht erst mal nen guten Eindruck…
Andererseits… wenn sie das als Einschleimen deutet hab ich gleich am Anfang die A-Karte gezogen…
Naja… lieber bin ich einmal zu oft höflich.

Dass diese Entscheidung vielleicht über meinen Abischnitt entscheiden würde wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Die Vorbereitung lief super und so kam ich gut gelaunt in den Prüfungsraum, ging auf die unbekannte Lehrkraft zu schüttelte ihre Hand und stellte mich vor. Danach ging ich auf meinen Platz, hielt mein Referat frei, selbstsicher und mit zusätzlichen Informationen gefüllt, die man auf der schule nicht lernt. Auch die Fragen beantwortete ich alle richtig auch wenn ich das ein oder andere mal doch ein bisschen grübelte.
Die Prüfung war vorbei…
Die letzte Prüfung meines Lebens auf dieser Schule…
Mein Lehrer fragte, wie ich die Prüfung fand, ich erklärte, dass ich sie gut fand, allerdings hätte ich mehr gewusst, da ich mich auf jedes Halbjahr wie auf einen Schwerpunkt vorbereitet hatte.
Die Zweitprüferin staunte und da kamen die wohl bedeutsamsten Worte aus dem Mund meines Biolehrers, die er mir auf meinen Weg hätte mitgeben können. Er wandte sich zur Zweitprüferin. “ Weißt du die ‚Melli‘ ist immer Ehrgeizig und extrem Motiviert“

“ Danke das ist wirklich lieb von ihnen, das motiviert mich jetzt bestimmt noch mehr“
“ Noch mehr ?“ Wunderte die Zweitprüferin sich
„Ja für ‚Melli‘ geht es nur straight höher höher höher“ sagte er, sah mich an und meinte dann beeindruckt “ Du warst auch die Einzige, die Frau S. mit Handschlag begrüßt hat“

Das Gespräch endete etwas später doch was ich mitgenommen hatte war wie immer das gleiche. Der erste Eindruck zählt. Mein Biolehrer hatte das Handschütteln wirklich positiv zu Notiz genommen.
Ich hatte mit 14 Punkten gerechnet, da Lehrer wenn du alles weißt und selbstsicher auftrittst dir trotzdem fast nie 15 Punkte geben… aber vielleicht war es ja nur der eine Handschlag, der das geändert hatte, der eine Handschlag, der mir in der Prüfung einen Punkt mehr beschert hatte, der Punkt, der meinen Schnitt um eine ganze kommastelle anhob…

Und das ist auch gut so.
Weil es mich darin bestätigt, dass es sich immer rechnet für jede Kleinigkeit zu kämpfen, weil am Ende genau diese eine Kleinigkeit alles entscheiden kann.

Meine Lieben, ihr wisst gar nicht wie froh ich bin mit diesem Traumabi in die Zukunft zu starten… ich bin unendlich erleichtert … es fühlt sich komisch an, nichts mehr lernen zu müssen, aber  langsam bekomme ich eine Ahnung davon, was ich in meinem Leben vor dem Abi so gerne machte …
Und vor allem eines macht mich froh…Als ich in die 5. Klasse kam war ich immer eher so eine mittelmäßige Schülerin, hin und wieder mal ein paar gute Noten aber auch hin und wieder richtig schlechte… ich hatte damals immer das Gefühl “ Wenn ich mal so groß bin wie die ganz großen, dann ist es mir egal was für einen  Schnitt ich hab, Hauptsache Abi.
Ab der 10 Klasse ging es langsam Bergauf, und als ich dann noch die schlimmsten Fächer abwählen konnte, stand mir irgendwie nichts mehr im Weg in der 11 und 12 Klasse… Das ist ein Wandel gewesen den ich selbst nicht erhofft hatte… Vielleicht ist mir dann irgendwann aufgefallen, dass ich mehr kann als ich denke und ab dieser Erkenntnis erhoffte ich mir eine eins vor dem Komma…. irgendwann hoffte ich auf eine 1,8 dann eine 1,7 und zu guter Letzt auf 1,6 und das ist genau da wo ich jetzt stehe …
1,6 ist kein Freifahrtschein, mit dem ich mich auf meinen Lorbeeren ausruhen kann, aber man kann darauf aufbauen… ICH kann darauf aufbauen… noch stehen mir also alle Wege offen…

Guten Gewissens kann ich sagen, dass ich in den letzten 18 Jahren noch keinen wichtigen Weg verbaut habe, noch kein Ziel verpasst und noch nicht gänzlich verzweifelt bin…
Es fühlt sich an, als wäre das nur der Anfang und ich bin mir ziemlich sicher, dass dies zwar das Ende meiner Schullaufbahn ist, aber dafür der Anfang von etwas viel Wichtigerem.

In den nächsten Tagen werden noch ein paar Beiträge folgen, die da wären:
12 Jahre Schule – Rückblick ( vielleicht aufgeteilt in 2-3 Teile^^)
Abivorbereitung – was ich wieder genauso machen würde, oder anders
Abiball
Beiträge über Veränderungen, Hobbies, Menschen
Und etwas Großes – meine erste Reise um die halbe Welt.

Ich hab euch fast alle lieb ^^
bis bald,
eure Melli, die ihren Abiturzettel vermutlich nie wieder aus der Hand legt  😉
 

 

 

 

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12 Gedanken zu “Ende

  1. 1.6 ist doch was. Da kann man eine Menge mit machen und Ärztin wolltest ja eh nicht werden 🙂
    Glückwunsch.!!
    Freu mich sehr für dich.
    Dann wird es mal wieder Zeit für nen Kaffee, oder? 🙂

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  2. Wow, Melli! Glückwunsch 🙂 Du hast mich gerade echt irgendwie motiviert- ich weiß zwar nicht wofür, aber du hast mich motiviert!
    Wie hast du denn diesen einen Punkt ausgehandelt, wenn ich fragen darf? Ich würde mich das glaube ich nicht trauen…

    Ich wünsche dir, dass du dich weiterhin immer freuen kannst, wenn du an dein Abi denken kannst! 🙂
    Liebe Grüße

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  3. Herzlichen Glückwunsch! Du hast es genau auf den Punkt gebracht, dieses Gefühl, endlich erleichtert das Ergebnis des langen Lernens in den Händen zu halten. Du motivierst uns gerade dazu, unsere Gedanken, als wir letzte Woche die Ergebnisse bekommen haben, ebenfalls in Worte zu fassen. 🙂

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    • haha danke^^
      Naja 50 50 🙂
      Wenn ich die Möglichkeit dazu bekomm ergreife ich sie auch und natürlich strenge ich mich auch dafür an ^^ Aber mittlerweile sehe ich die großen Vorteile, wenn ich doch Zahnmedizin studiere ^^ Es vereint die selben Kriterien wie Medizin – Wissenschaft und arbeit mit Menschen ^^
      Ich wäre dann zwar immer noch Ärztin, aber eben Zahnärztin / Kieferchirurgin/ Kieferorthopädin etc. ;P

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      • Ah, stimmt, davon hatten wir es ja schon einmal. Aber irgendwie hab ich das fpr mich als „Medizin“ verbucht, weil, letztlich ist ja beides Medizin. ^^‘
        Aber wenn du ne gute Zahnärztin wirst, dann komm ich als Patient gerne vorbei. 😉

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