Vom Ammersee zum Sternenhimmel

Die Hitze stand auf meiner Terrasse und bewegte sich ebenso wenig, wie ich es tat. Kein rasendes Herz, keine endlosen Gedankenschleifen, die den Kopf bombardieren kurz um, einfach keine Nervosität. Dafür hat man in Deutschland glaube ich den Begriff ‚cool‘ eingeführt, nur, um mich in diesem Moment besser beschreiben zu können.13:30 … Eigentlich sollte er jetzt klingeln …. 13:33 … naja das lassen wir gerade noch als pünktlich durchgehen 13:34 ES HAT GEKLINGELT *.* Niemals hätte ich mich über 4 Minuten beschwert… aber ich hatte ja nichts Besseres zu tun als meckern auf höchstem Niveau… Wir umarmten uns verhalten und schlenderten zu seinem -ähm dem seiner Mama meine ich – Auto. Hatte ich mir Nachts noch Gedanken gemacht, wie es wohl werden würde, wurden letzte Zweifel nun aus dem Weg geräumt – der Tag würde ein guter werden, das merkte ich nach wenigen Sätzen. Auf der Einstündigen Fahrt wusste er mich immer gut zu unterhalten… das verwunderte mich einwenig, weil ich es immer schwierig finde, mit einer nahezu fremden Person ( Ich kannte ihn ja nur von einer kleinen Runde aus meinem ’neuen‘ Freundeskreis ) Ein langes Gespräch am Stück ohne Wiederholungen zu führen 😉 Die Leitplanke wehte an uns vorbei wie ein seidenes Tuch, Ich fühlte mich sicher neben ihm im Auto, das ist selten, normalerweise fahre ich immer entweder selbst, meine Eltern oder mein bester Freund, beim Rest der Menschheit fahre ich eigentlich nicht gerne mit … ab und zu vertieften sich meine Gedanken in die verwischten Landschaften… Ich merkte, dass ich langsam aber sicher erwachsen werde… was waren es damals für Dates ? Mit einem Jungen, der vielleicht ein paar Monate älter war, auf ein Eis gehen und dabei total nervös in den Boden starren… was sind es heute für Dates ? Mit einem Mann, der doch schon eher im Bereich der Jahre älter ist, der ein Auto fährt und es geht mit einem souveränen Gespräch eine Stunde in die Fremde 😉
Der Trick ist …. FALLEN LASSEN… das ist der Trick 😉

Wir erreichten den Ammersee, fuhren aber noch ein weites Stück, sehr verplant um den See herum, da wir nicht wussten, wo wir hätten parken sollen… das wichtigste war uns ja, dass wir ein weinig ungestört sein konnten 😉 Irgendwo am anderen Ende stellten wir das Auto an einem Waldparkplatz ab und spazierten ein wenig um den See… vorbei an kreischenden Kindern, plantschenden Familien und Wasserball spielenden Halbstarken. Ein kleiner Trampelpfad führte uns an eine einsame Bucht … eigentlich perfekt … ein wenig steinig, aber das war ja zu erwarten gewesen 😉

Der folgende Moment ist ein ziemlich interessanter, weshalb ich bei ersten Dates eigentlich immer gegen Seen / Schwimmbäder etc bin, ich finde man muss sich nicht sofort in Unterwäsche kennenlernen ;P Ich weiß, es ist nicht schwer, denn ich tu es ja theoretisch jeden Tag mehrmals … mich ausziehen …. aber man fühlt sich dann doch ein wenig unter Beobachtung und fragt sich natürlich, wie man denn jetzt am elegantesten das Kleid auszieht… Ich entschloss mich es auf die altmodische, feminine Art zu tun, verschränkte meine Arme vor meiner Hüfte, raffte den Saum meines Kleides und streckte die Arme über meinen Kopf, sodass ich das Kleid – Problem schnell gelöst hatte ….Auch er machte es altmodisch, aber männlich, griff nach dem Stoff an seinem Nacken und zog das Shirt über seinen Kopf …

Die Sonne tastete ab dem Ende des Tshirts langsam nach frisch entblößter Haut und setzte, wie absichtlich, diesen göttlichen Anblick in Szene. Mein Blick wendete sich wie gezwungen ab und betrachtete die Weiten des Sees, um nicht allzu auffällig den wirklich schönen Anblick aufzusaugen.

Wir Schlenderten in das Wasser, mit der Erwartung, dass uns gleich richtig kalt werden würde … Aber das geschah nicht, denn das Wasser war wundervoll warm …Das Wasser umspielte unsere Körper und bildete kleine Kringel auf der Wasseroberfläche. Wir lachten und redeten viel, schwammen ein paar winzige runden und schlenderten wieder über die Muschelbesetzten Steine ans Ufer. Wir liesen uns trocknen durch die Strahlen der Sonne, die wunderschöne Lichtspielchen in den Wasser Tröpfchen erzeugten. Extra für mich hatte er eine Wassermelone mitgeschleppt, da ich diese Frucht wirklich sehr gerne esse, Musik trällerte in unseren Ohren und auch wenn ich diesem Moment entgehen wollte, indem ich hilfloser weise meinen Rücken selbst eincremte, fragte er, ob ich ihm denn helfen könne. Natürlich lies er sich nicht davon überzeugen, dass ich meinen Rücken sehr wohl ordentlich selbst eingesprüht hatte und streichelte sanft über meine Wirbelsäule. Es fühlte sich gut an. Aber es fühlte sich nicht nach Gänsehaut an. Wir genossen den Wolkenfreien Himmel und die wunderbare Einsame Zweisamkeit, die uns umgab. Stunde um Stunde verstrich die Zeit und es kam mir so vor als könnte ich ihr beim Verrinnen zusehen, als wäre sie Sand in meinen Händen.

So entschloss sich irgendwann die Dunkelheit ihr Laken über die Landschaft zu legen, so langsam und sanft, dass ein wundervoller Sonnenuntergang entstand. Ein paar Wolken hatten sich, wie aus Sahne gemacht, an die Himmelsleinwand gehaftet und wurden in ein intensives Orange getaucht, sowie der restliche Horizont, während das andere Ufer schwarz blieb und das Wasser in dessen Schatten dunkelblau, es folgte eine scharfe Kante, an der sich der Sonnenuntergang im Wasser wiederspiegelte. Wir hatten uns heimlich auf einen Privaten Steg gesetzt, um einen besseren Ausblick zu haben. Als die Besitzer uns verscheuchen wollten, erklärten wir ruhig, dass wir in wenigen Momenten gehen würden und so konnten wir uns einigen, dass wir zusammen mit dem Untergang der Sonne verschwinden würden.

Der Hunger, den ich die ganze Zeit über vergessen hatte, schien ein Loch in meinen Magen zu fressen und so entschlossen wir uns noch essen zu gehen 😉 Er lud mich ein auf gefüllte Trüffel Nudeln mit Parmesan Rucola Soße, die meinen Gaumen auf höchstem Niveau verwohnte. Ein wenig begannen wir über die Sterne und das Universum zu sinnieren und entschlossen uns am Heimweg noch den Sternenhimmel anzusehen. So machten wir uns auf, in Richtung Heimat, wobei wir an einem Maisfeld entlang das Auto abstellten, um uns auf die Motorhaube zu legen und die wundervollen weißen Splitter am Himmel zu beobachten. Man fühlt sich klein, wenn man sie nur lange genug ansieht und unwichtig, was einem die Last der Entscheidungen im Alltag ein wenig abnimmt … Unsere Schultern berührten sich und man konnte die Wärme spüren, die sich an dieser Stelle vom einen auf den anderen übertrug und durch den Körper floss, als hätte sie das Blut erwärmt.

Die Zeit war ein Spielverderber und ermahnte uns nachhause zu fahren … gegen Mitternacht schritt ich durch meine Haustür, ein Lächeln im Gesicht, Seeluft im zerzausten Haar und einem imaginären Schraubglas voll mit schönen Erinnerungen.
DSC_7231

Danke.

Liebe Grüße,

Melli

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3 Gedanken zu “Vom Ammersee zum Sternenhimmel

  1. […] Ein Mann auf einem Auto, eine Frau daneben, die Frau war ich, wir sahen uns den Sternenhimmel an, berührten uns aber nicht . Das war eindeutig das Date, dass ich Donnerstag hatte, und es entspricht 1:1 der Realität ( nur in wirklichkeit berührten sich unsere Schultern) […]

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