Ein Hauch von andere Welt

Ich weiß nicht, wie eure Tage so ablaufen, aber meine ähneln sich meist sehr in Struktur und Geschehen. Ich stehe auf, meist ziemlich früh. Ich stelle mich ins Bad, blicke in den Spiegel und sag mir, dass auch dieser Tag neue Chancen und Geheimnisse mit sich bringt, dass ich mich nicht zu grämen brauche, da ich nicht zu den Leuten gehöre die Morgens in den Spiegel Blicken und sich selbst als hässlich bezeichnen. Statt dessen versuche ich mich so wohl wie möglich in meiner Haut zu fühlen, besser gelingt mir das, nachdem ich nicht mehr verschlafen in meinem Känguru Schlafanzug da stehe, sondern Klamotten meiner Wahl trage und mein Gesicht einen gleichmäßigen Teint hat. Es kommt einem Ritual gleich, wenn ich morgens ins Badezimmer gehe, eine Art Motivationsschreiben an meine Seele, warum sie mich wieder einen weiteren Tag begleiten sollte …
Ich frühstücke. Müsli. Müsli ist das Zeichen dafür, dass es nicht Wochenende ist. Am Wochenende gibt es Semmeln. Ich frühstücke zudem auch immer das gleiche, den Namen habe ich vergessen aber es handelt sich um Haferflocken mit Schoko Plättchen, Karamell Stückchen und Milch oder wahlweise Natur Joghurt (Um das ganze abwechslungsreich erscheinen zu lassen ^^) Ich putze meine geraden Zähne, die wie Perlen auf einer Schnur in Reih und Glied stehen. Das aber nicht, weil sie schon immer gerade waren, sondern weil mein lieber Kieferorthopäde sie mit einer Mittlerweile 4 Jährigen Behandlung, begradigt hat ( 2 Jahre feste Spange, 1 Jahr Boxer Schutz, 1 Jahr lose Spange).
Manchmal rot, manchmal rosa, aber immer Lippenstift ^^ Nicht weil ich irgendjemanden „beeindrucken“ will, oder weils modern ist, nein einfach weil ich finde, dass es zu mir passt 😉
Dann schlüpfe ich in farblich passende Schuhe, eine dazu abgestimmte Jacke, lege Schaal, Mütze und Handschuh an und verlasse das Haus über die Wohnzimmertür. Ich eile über den Rasen, weil ich meistens spät dran bin und fahre mit dem Rad zu dem gleichen Mädchen zu dem ich schon seit 11 Jahren fahre/gehe. wir wohnen in der selben Straße und teilen uns den Schulweg. Früher teilten wir uns mehr, wir Teilten uns Herz und Seele, Freud und Leid und eigentlich alles was das Leben ausmacht. Doch Zeiten ändern sich. wir sind nur noch normale Freunde.
Nach 3 Minuten Frischluft sind wir auch schon an diesem großen hässlichen Klotz angekommen, der sich Schule schimpft… so eine fürchterliche Schale, für eine solch tolle Grundidee. Ich gehe nicht gerne in die Schule, aber ich bilde mich trotzdem gern. Es liegt wohl daran, dass manche einfach noch nicht verstanden haben, was es bedeutet Bildung zu vermitteln… Wäre Schule nur das Vermitteln von grenzenlosem Wissen und Freude an Neuem, wäre dieser hässliche Klotz nicht mehr passend zur Einrichtung designed. Ich würde ein Haus der Bildung wie eine gläserne Kuppel gestalten, ohne Sichtbeton und schwere Werkstoffe. Nur inspirierende Stoffe wie Glas, Stein, Holz und polierter Stahl. Ich würde sie einsetzen, um eine Leichtigkeit zu erschaffen und nicht um Wände zu errichten, die drohen durch ihre Masse und Undurchdringlichkeit, Schüler zu erdrücken und ihnen das Gefühl von Atem- und Ausweglosigkeit zu vermitteln.
Auch wenn ich vielleicht nicht will, bewege ich mich auf das Gebäude zu und schreite durch seine Türen, ein Schwall gebrauchter Luft kommt mir entgegen, geschwängert von einer Note von frischem, gebleichtem Papier, Drucker Tinte, Angstschweiß, Kioskkost, Turnschuhen und Graphit. Auch die schweren Betonwände kann man riechen, wenn man die Sinne dafür sensibilisiert.
Ich sehe in die Ferne schlechter. zwar nur minimal, 0,75 auf einem Auge, aber ich spüre das und es nervt mich total. Eine Brille brauche ich nicht, nur wenn ich will, zum Autofahren. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht nur versuche genau hinzusehen sondern auch hinzuriechen. Gerüche können perfekte Bilder zeichnen und Geschichten erzählen …
ich schreite durch einen Korridor. Und ich verwende hier bewusst das vornehme Wort ‚“schreiten“, da ich nicht schlurfe, schlendere oder gehe, nein ich schreite tatsächlich. Und das aus gutem Grund. Ich hatte nicht immer eine so akzeptable Position in der Schulgesellschaft, ich war unbeliebt wie ein Kaugummi an einem Schuh. Und trotzdem habe ich nicht damit angefangen meinen Kopf und meine Schultern hängen zu lassen… Leute dürfen ruhig merken, dass ich immer erhobenen Hauptes schreite, ich würde sogar schreiten wenn das Ende der Welt vor der Tür stünde.
Ich bleibe stehen vor einer der hässlichen, hölzernen Türen.

Das ist meine Welt.
Meine Welt, wenn ich in die Schule gehe.
So läuft das hier eben.

Doch wenn ich die Tür öffne, umfließt mich zuerst Dunkelheit. Eine Discokugel sprenkelt Lichtflecken in den Raum und basslastige Musik lässt mein Blut tanzen. Wenn ich dann die Türe hinter mir schließe stehe ich komplett in diesem Raum mit entspannten Menschen, die allesamt interessant, anders und „Kaugummi am schuh“ sind oder waren. Zwar ist die Duftnote des Raums nicht gerade dafür gemacht um schöne Geruchsbilder zu zeichnen, aber das ist auch nicht nötig, denn trotz dem Geruch nach Schweiß, altem Teppich und heizender Ton und Lichttechnik hat der Raum einen besonderen Flair. Man kann im Grunde genommen auch nichts dafür, dieser Raum hat kein Fenster und ist nicht belüftet; P
Nein, ich nehme in der Schule keine Rauschmittel zu mir und nein, wir haben keine interne Disco. Aber so etwas ähnliches. Das ist der Technik Raum. Ich bin im Technik Team seit der 9ten Klasse und habe gute Gründe dafür;)

Das ist der Hauch einer anderen Welt,
der mir ein kleines bisschen das Gefühl gibt, hier richtig zu sein.

Wir haben alle unser Päckchen zu tragen, nur nicht in diesem Raum. wir schmeißen unsere Sorgen in die Ecke des Raumes und dann wird 2mal am Tag eine viertel Stunde, geredet, gelacht, Musik gehört, Blödsinn gemacht und vieles mehr. Das macht mich frei.
In der Natur gibt es viele Orte, an denen man seine Päckchen ablegen kann, auch in der Stadt, oder Zuhause. aber es gibt nur einen Ort, der dich aufnimmt, während du 10 Stunden Schule überstehen musst. Und das ist eben das Technik Zimmer.

Wo beginnt eure andere Welt?

lg
Melli ^^

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2 Gedanken zu “Ein Hauch von andere Welt

  1. wo beginnt eure andere welt?

    da erinner ich mich an den architekten wo er die tapete in meinem zimmer gesehn hat
    der mann wa fassungslos
    rot grün blau gelb rosa gestreift
    ein einziges tollhaus

    dann wurde noch drauf gemalt
    dann wurde ein schreibtisch aufgestellt wo man auch werken kann
    es wurde immer abartiger
    und das is bis heute völlich kompromisslos so
    innovativ radikal

    das is meine welt
    wie alesia

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