Ich habe gehört, man nennt es Leben

Ich saß im Zug mit einem Kribbeln im Bauch, das Kribbeln, das mir sagt, dass etwas neues passiert… Musik schallte durch meinen Kopf, denn ein Mp3-Player ist immer ein guter Begleiter für eine Fahrt ins Irgendwo. 3 Taschen auf meinem Schoß und Psychologieeinträge auf dem klapp Brett vor mir sah ich aus dem Fenster, die Landschaft flog an mir vorbei wie ein verwischtes Bild, nur die Bäume in weiter Ferne erschienen klar und unverschwommen. Die Felder wurden allmählich in Dunkelheit getaucht und hin und wieder gelang mir ein konzentrierter Blick auf meine Unterlagen. Gestaltgesetze, Sigmund Freud und Symptome der Schizophrenie sollten in meinen Kopf, doch irgendwie waren da nur diese Gedanken an „Wo stehe ich“, „Was ist als nächstes zu tun“ und viele andere. Eine Frau neben mir las ein Buch, ein relativ altes, die Seiten waren schon vergilbt, vielleicht hatte sie aber auch einfach nur viel geraucht als das Buch im Regal gestanden hatte. Ich setzte mich an einen größeren Tisch, denn dort hatte ich mehr Platz zum Schreiben. Nicht nur ich lernte im Zug, sondern auch mein neues Gegenüber, er hielt einen Russichkurs in Händen und versuchte merklich angestrengt das Vokabular in seinen Kopf zu bekommen. Ein älterer Herr auf der gegenüberliegenden Seite sprach mit seinen zwei Enkelkindern, sie waren vielleicht 3 -4 Jahre alt doch dafür schon ziemlich interessiert an allem ;P Ich bekam mit, dass sie in dieselbe Richtung mussten wie ich, also nutzte ich die Gelegenheit und fragte, ob ich vielleicht mitgehen könnte, denn ich wisse nicht, wohin ich umsteigen müsse. Der nette Herr führte mich gerne zum Gleis, auch wenn sein kleines Enkelkind sich auf einmal übergeben hatte… das arme Ding… ich habe das als Kind noch viel mehr gehasst als jetzt … ich bot ihnen also meinen Schoko-Puffreis an (der den mein Exfreund so gerne gegessen hatte, sie waren mir eben nichts mehr wert, warum hätte ich sie also selbst essen sollen, wenn sich andere noch darüber freuen können) … Irgendwann trennten sich unsere Wege und nach einem langen Gespräch kann ich auch gut behaupten, wieder jemanden kennengelernt zu haben …. Ich fuhr also weiter, mehr oder weniger allein… irgendwann leerte sich der Zug immer mehr, denn niemand fuhr wie ich in den tiefsten Wald. ;P

Der Zug hielt, ich nahm mein Gepäck unter den Arm und hoppste voller Vorfreude zur Tür, an ihr vorbei lief gerade meine Cousine… Ich rief ihren Namen, doch sie hörte mich nicht… erst als sie sich umdrehte fielen wir uns in die Arme, wie es Cousinen tun, die sich ewig nicht mehr gesehen haben ^^ Ein Junger Mann stand dann vor mir, er war der Freund meiner Cousine, recht hübsch und wie sich später noch herausstellte auch sehr nett 😉

Meine Cousine brachte mich zu einem Auto… IRGENDEINEM AUTO … mir schossen die Worte meiner Mama in den Kopf “ Du fährst fei nur mit deinem Onkel mit im Auto!“ … Da war es schon zu spät … ich saß in einer gratis Achterbahn und teilweise war mir wirklich sehr mulmig zu Mute 😉 Aber hier bin ich, ich habe die Fahrt mit dem Henker überlebt … Im 2ten Zuhause angekommen begrüßten mich der Rest meiner Familie total herzlich 😉

Wir tranken ein Gläschen Hugo auf uns und dann kamen auch schon ein paar Freunde, die ich nicht kannte, sie wirkten alle nett und waren auch total offen 😉 Wir glühten etwas vor, etwas trifft es bei mir, denn das war mein erstes Vorglühen und ich wollte den Abend ja mit ausreichend Geistigem Verstand überstehen. Trotzdem versuchten sie alle mich zu „häufigem Probieren “ zu animieren… und ich muss sagen der Mozart Schnaps war super lecker…. gut, der schmeckte auch nach Schokolade…. und ansonsten hab ich nur noch ein bisschen Wodka mit Orangensaft probiert… ich steh nicht so auf Wodka pur ^^

Das hat mir dann aber schon gereicht zum Lustig werden … Wir fuhren auf die erste Party, Gott sei dank fuhr diesmal tatsächlich mein Onkel *puhh* Diesen Abend möchte ich etwas zusammenfassen… ich habe meinen ersten Tequila getrunken, ziemlich widerlich…. ich habe meinen ersten Wodka- Brause getrunken – zieeemlich geil ^^ ich mag zwar dieses scharfe nicht so aber durch die Brause wars einfach total das lustige Gefühl … wir haben getanzt und geflirtet aber insgesamt war einfach nicht viel los ^^ Irgendwie hört sich das an, als wäre ich eine totale Schnapsdrossel 😉 das bin ich aber nicht, ich trinke zuhause nie und auf Partys normalerweise viel weniger als dieses Wochenende -nur zu meiner Verteidigung ^^ Wieder Zuhause gabs MITTERNACHTSROULADEN ( Na neidisch pimalrquadrat ? ^^) Der Abend war schon ziemlich gelungen, aber es folgten ja noch viel mehr tolle Erlebnisse…

Die Nacht war kalt, ich schlief in meinem Mantel, die Heizung war ausgefallen und ein Gerippe wie ich friert da ganz schön schnell 😉 Deshalb sind wir Samstag Mittag in eine kleine Therme gefahren… der Freund meiner Cousine ist mal wieder gefahren wie ein Schwein… aber ich konnte schlecht sagen, ich würde nicht mitfahren… dann hätten wir wegen mir zuhause bleiben müssen -.- … Außerdem … Abenteuer sind eben manchmal gefährlich ^^ Im Bad wars total schön, wir saßen in heißen Pools, rutschten Reifenrutschen und Aßen Pommes und Kuchen ^^ am Abend fuhren wir nachhause, um rechtzeitig vor der Party wieder da zu sein ^^ Wieder kamen Freunde, wieder glühten sie vor, diesmal ohne mich, denn bei meiner Cousine im Kaff war es anscheinend sowas von normal, dass Mädels auf Partys keine Getränke bezahlen müssen, dass ich es nicht eingesehen hätte zuhause Geld zu sparen ^^

Ich stieg in ein Auto, schon wieder IRGENDEIN AUTO … diesmal das von irgendeinem … Kumpel… er war wenigstens nüchtern… auf der hin und Rückfahrt, aber ganz wohl war mir da auch nicht… Dor angekommen, erwartete ich mir vom Abend eigentlich nur eines … viel Spaß… Es handelte sich um eine Q 12 Party und meine Cousine, die selbst einen Realschulabschluss hat, stellt mich überall total stolz vor, ich sein die Cousine aus München, vom Gymnasium ^^ Das schmeichelte mir schon sehr ^^

Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass man mir ansah, dass ich eine Städterin war, oder daran, dass ich vielleicht irgendwas im Gesicht hatte, dass ungefähr die halbe Diskothek versuchte mit mir zu flirten… ^^ Ich hab da ja nichts dagegen, denn es ist ja schon spaßig, dieses Spielchen, auf einem dünnen Seil aus Trunkenheit und Übermut. Alkohol floss meiner Meinung nach definitiv genug, es war echt ein Problem, auf alles eingeladen zu werden, in dem Fall hab ich doch so meinen Zwist mit dem Nein sagen ^^ (-Lieber sich den Magen verrenken, als dem Wirt was schenken) ;D Desto später es wurde, umso lockerer wurde der Abend, ich hatte ja den Freischein, für das „Machen was ich will“ denn dort kannte mich ja niemand. Irgendwann tanzten meine Cousine und ich sogar auf der Theke… nicht auszumalen, was los wäre, wenn ich hier meine Engelsgleiches Image mit so Etwas beschmutzen würde :$ es dauerte nicht lange, da tippte mich jemand an, ich sah herunter und hörte einen Jungen Mann zu meinen Füßen ( so gehört es sich ;D) fragen, ob ich vielleicht etwas trinken wolle … meine Antwort ist hier wohl allen klar… wäre er ein guter Aufpasser gewesen, hätte er mich das nicht gefragt, denn eigentlich hätte er sehen können, dass ich nicht so gaaanz nüchtern war ^^ … ich stieg von der Theke und folgte ihm, ich sagte ihm, ich wolle etwas leichtes, denn ich würde nicht so viel vertragen, ich wäre für den Abend schon am Limit ^^ Ich trank also ein Despo, naja … ist jetzt nicht unbedingt ein Wasser, aber doch noch vergleichsweise leicht ^^ Wir kamen super ins Gespräch, er erzählte er würde Studieren und als er erzählte wo, traf mich fast der Schlag… er studiert in einer Stadt in meiner Nähe… da war der Plan mit dem „erscheinen wie ein Phantom und dann wieder spurlos wie eines verschwinden “ auch schon verloren… irgendwann gingen wir nach draußen und setzten uns unter einen Heizpilz, Die Wärme durchströmte meinen Körper, das Gefühl von den freien Möglichkeiten die ich hatte, überwältigte mich, ein weiteres Nachdenken war mir untersagt. Man kennt das doch die Gespräche beginnen, oberflächlich, unscheinbar, irgendwann kommt es zu erstem Körper Kontakt, wie eine heimliche Nachricht, so geschrieben, als wäre es ein Versehen … Auch die Themen ändern sich, ich weiß nicht wie und warum, aber ich erzählte, dass ich frisch getrennt war und auch nicht sofort auf der Suche nach etwas Festem, vermutlich stellte ich den Versuch an, ihn nicht irgendwie zu enttäuschen, denn ihm wirkte das ganze doch recht ernst… und ich wollte nicht, dass jemand unter meinem Spaß leidet … Ich beugte mich zu ihm rüber um ihm zu sagen, dass wir rein gehen sollte, es sei draußen so kalt. Unsere Wangen berührten sich, und wie ein Automatismus, trafen unsere Lippen aufeinander, wie die Sonne abends auf den Horizont und die Regentropfen an einem lauen Sommernachmittag auf den Boden, nicht weil wir mussten, nicht weil wir uns liebten, einfach nur weil es ein schönes Gefühl war und das Vertrauen zwischen uns doch gut war… Meinen Körper durchzuckte ein wohliges Gefühl und irgendwie konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, denn eigentlich würde ich so Etwas nie machen.

Wir küssten uns lange, als wären wir schon ewige Bekannte, als wäre es dieses Wochenende nicht so wichtig was davor und danach ist. Es war nicht gleich, wie die Küsse mit meinem Verflossenen, die Art wie wir uns küssten, war eine völlig andere, seine Lippen waren weich und mit seinen Armen zog er mich an sich, Seine Hände streichelten mich sanft, als wisse er genau, was mir gefällt … irgendwann kamen wir uns zu angestarrt vor, so gingen wir wieder rein, er seinen Arm um meine Hüfte gelegt und durch seine Siena gebrannt – braunen Augen stolz durch den Club blickend (s.Farber Castell ). Am Rand der Bar, fingen sich unsere Herzschläge ein, ohne sich zu verlieren, wie sie es getan hätten, wenn die Liebe zwischen ihnen stünde… Die Geräusche verschwammen, die Leute um uns waren nur noch wabernde Gestalten und meine Gedanken schlugen Purzelbäume, als wir uns wieder küssten. Wir fielen nicht übereinander her, wir waren wirklich nicht einer dieser furchteinflößenden Anblicke, bei dem man Angst haben muss, dass einer der Beiden gleich seinen Magen ausstülpt um sein Gegenüber zu fressen 😉 Trotzdem starrte uns schon wieder jemand an, also unterbrach ich den Kuss und fragte den möglichen Geheimagenten, ob er nicht dezent in eine andere Richtung starren könne… Ich schau knutschende Leute ja auch an, aber ich fahre keine Stielaugen aus, da schaut man einmal hin und dann reichts auch ^^

Der Abend neigte sich dem Ende zu, unumkehrbar rann mir die schöne Zeit wie feiner Wüstensand durch die Finger. Wir gingen raus zum Auto, meine Cousine hatte abgemacht mich um 2 dort zu treffen, da stand ich also, einen Typen im Schlepptau, den ich kaum kannte, ohne Jacke im eiskalten Wind. Sie war schon da, als er begann meine Arme warm zu reiben, was wirklich lieb war ^^ der erste Kommentar von meiner leicht angeschwippsten Cousine war nur “ Schau mal was der für einen Bizeps hat“ Um ehrlich zu sein war mir das gar nicht aufgefallen ^^ Mir fiel auf, dass ichmeinen Ausweis noch im Club gelassen hatte, den man als unter 18 Jährige dort abgeben musste … wir gingen wieder rein und stellten uns an… vorher musste ich noch meine Begleitperson suchen, denn hatte man einen 18 jährigen dabei, konnte man auch unter 18 so lang bleiben wie man wollte 😉 Als wir bei den Security Leuten angekommen waren, stellte sich heraus, dass diese meinen Ausweis in einem Vokabelkasten von a-z verloren hatten… sie sagten uns wir sollen warten, bis die anderen ihre Ausweise haben… das hätte ewig gedauert, die hätten echt gewartet, bis um 4 die letzten ihre Ausweise haben ! Wir haben dann etwa 1 Stunde diskutiert, dass sie doch bitte unseren Ausweis suchen sollten, bis sich herausstellte dass jemand unsere Ausweise unter K einsortiert hatte… und unsere Nachnamen hatten einfach nichts mit K zu tun, nicht mal unsere Vornamen ^^ Dafür haben wir noch Ärger bekommen, dass ich nicht 2 Stunden warten wollte…. ich hab dann nur noch gesagt, A B C lernen wär mal ne Sache… dann bin ich gegangen .

Ein Schritt aus der Tür, eine Handynummer und einen Abschiedskuss später saß ich wieder im Auto eines Verrückten, auf dem Weg nachhause.

Die Nacht war lang, obwohl ich nur wenige Stunden Schlaf hatte. Um 2 Saß ich im Zug, Abschied genommen von meiner Familie und den Abenteuern …Der Zwischenstopp an einem Bahnhof verlief interessant, ich lernte tatsächlich Psychologie nachdem ich im Zug eine Stunde über meinen Vorherigen Abend nachgedacht hatte. eine ältere Dame fragte ob sie sich zu mir setzen dürfe, ich bejahte und nach kurzer Zeit sprachen wir über die Schule, die Dame schien Mitleid mit mir zu haben, denn es sei seit ihrer Zeit ja viel anders geworden, sie habe damals Psychologie studiert, aber in ihrem Beruf habe es ihr praktisch nicht weitergeholfen, man müsse in Notsituationen eben einfach handeln… Kurz bevor mein Zug kam wünschte sie mir viel Erfolg und meinte, dass ich das mit meiner Einstellung sicher schaffen würde.

Das sind die Sätze, die mein Leben versüßen, wenn fremde Menschen an dich glauben, ist das so viel mehr Wert, als ein Freund, der dir sagt er würde an dich glauben, weil er sich nicht immer traut die Wahrheit zu sagen… So endete das Märchen dieses Wochenendes… der Fremde und ich werden uns vielleicht einmal treffen, aber ich weiß nicht, ob mein nüchternes ich ihn genau so sympathisch findet, wie mein angetrunkenes Ich ^^

Liebe Grüße

eure Melli

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9 Gedanken zu “Ich habe gehört, man nennt es Leben

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