Schweigsamkeit im Datenrausch

Man kann sich nur schämen, wie ich, als Individuum meiner Generation.
Individuum trifft es eigentlich schon gar nicht mehr, denn mehr als Abbilder fremder Meinungen sind die meisten ja nicht. Wie soll man denn auch Zeit haben sich im Gespräch eine eigene Meinung zu Bilden, wenn da immer dieses Ding ist… Handflächengroß, schmal, schick, ein Statussymbol … Das Smartphone. Es ist ja sehr verständlich, dass man sich in Öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mit einem Menschen unterhalten will, der direkt vor einem Sitzt – das ist doch viel zu anstrengend und keiner blickt mehr durch was die vielen Gesichtsausdrücke bedeuten, die man auf sämtlichen sozialen Netzwerken durch smileys ersetzen kann !Manchmal komme ich mir vor, wie in einem Film, ein Deja vu bedeutet für mich nicht mehr, als eine Änderung in der Matrix, denn das hier kann ja schlecht die Wirklichkeit sein.
Wo sind die Zeiten, in denen man an öffentlichen Orten beim allein rumstehen Freunde oder Partner kennengelernt hat ? Ich durfte das leider nie erleben, denn in meiner Generation, die ihre IQ Punkt auf externen Speichern auslagert, ist man ja nicht mehr allein, nein, da „läuft(s nicht) bei dir“… denn #YOLO man lebt ja nur einmal und das am besten nicht in der realen Welt sondern gefangen in einem Kasten aus Edelmetallen und Plastik. Da wundert es mich auch ehrlich nicht, warum so viele Leute einsam sind, also ich meine die ohne eine 24 Stunden Flat, das an 7 Tagen 52 Wochen lang. Wie soll man jemanden denn bitte ansprechen der auf einer Party, schüchtern in der Ecke steht, der aber schon seit 30 Minuten in seinen mobilen Alltags Verschönerer starrt ? Sogar wenn man so ETWAS anspricht, den haut es doch aus den Schlappen, wenn er zum ersten mal seit 24 Stunden eine ECHTEN Konversation mit einem ECHTEN Menschen führen soll „#Yolo dass du mit mir reden willst, da bin ich jetzt glatt überfordert, aber ne super Idee um die Welt zu retten, wart lass selfie machen und auf INSTA posten, das hat voll swagg“. Ist eigentlich etwas verkehrt mit dieser Generation ? Wo sind denn bitte die Werte, dieses sogenannte „miteinander sprechen“ oder „miteinander ausgehen“ ??? Mittlerweile geht doch nur noch jeder in einer Gruppe mit seinem smart phone aus!

Es ist beängstigend, wie die Leute denken die Welt zu verbessern. Klar, das internet ist unser aller Segen, aber nur solange wir nicht vergessen, dass wir dazu gemacht sind, menschlich zu sein und nicht dazu zu vergessen, was es bedeutet, einmal persönlich angelächelt zu werden.

Wie ich auf dieses Thema komme? Ich bin heute U-Bahn gefahren… Blickkontakt kann man dort mit niemandem aufnehmen, außer denen, die zu schwach sind um ein smartphone in die Hand zu nehmen, oder Blinden ( wobei es sich da mit Augenkontakt eh erledigt hat)

Auf die Nase legen solls alle die, die beim Zufußgehen auf das zersprungene Display ihres Handys blicken und das länger als 2 Minuten !

Das ist nicht meine Generation. Das darf nicht meine Generation sein! Ich sollte sicher nicht auf diesem Planeten leben, doch auf den anderen sieht es sicherlich genau so aus, da sind es halt keine Hanys, sondern …. Gemüse ^^ Hochentwickelte Lebensformen sind also dazu gemacht sich selbst zu vernichten, indem sie vergessen wie man lebt und liebt.

Bitte vergesst das nicht alle! Seht doch mal nach oben, in die Augen eures Gegenüber,

liebe Grüße,

Melli :*

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7 Gedanken zu “Schweigsamkeit im Datenrausch

  1. Mir wird gerade wehmütig klar, daß meine Generation wahrscheinlich die letzte war, die ihre Jugend völlig ohne Flatrate und Smartphone hat zubringen müssen. Oder … dürfen?
    Smertphone hab ich bis heute keines, aber für Sachen wie YouTube und Twitter hätte ich damals bestimmt viel Zuneigung entwickeln können … Verwirklichung all des kreativen Potentials, welches aufgrund mieser Singstimme, handwerklicher Unfähigkeit und Kunstmuffeltum mehr oder weniger ungenutzt versickert ist. Hätte es in der Super-Nintendo-Ära schon Lets-Plays gegeben, wäre ich heute eine international gefeierte YouTube-Celebrity.
    Und das mit dem Schüchtern in der Ecke rumstehn, ohne angesprochen zu werden, ist ganz sicher keine Erfindung der Smartphoneseuche! Allem anderen stimme ich zu und freue mich darüber, dass sogar in Bayern derartiges Reflektionsvermögen heranwächst in der Generation Datenrausch. Pink(i) ist die Farbe der Hoffnung.

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    • *räusper* was heißt denn hier „sogar in Bayern“
      Ich hätte eher erwartet, dass vorallem wir Bayern gegen den Datenrausch eine gewisse Immunität entwickeln 😉
      Ich hoffe mal, dass das nur eine Riesen große Welle ist und vielleicht mal wieder mehr Menschen ihr smartphone nutzen, aber nicht abhängig werden davon…

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  2. Wow, sehr schön geschrieben! Umso mehr, da du ja alterstechnisch genau aus dieser Generation stammst.
    Wenn ich so auf die Schüler schaue, dann seh ich viel zu oft kleine Junkies, die keine fünf Minuten „ohne“ sein können. Sehr schade, weil dabei der Blick für das reale Umfeld verloren geht.

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  3. Liebe Melli,
    es ist für mich interessant, Deine junge Perspektive auf die ECHTE Kommunikationsverarmung der gegenwärtigen Zeit zu lesen. Ich beobachte oft mit Befremden, wie smartphonegefesselt viele – nicht alle – am ECHTEN Leben vorgehen und vorbeiWISCHEN. Aber ich bin Jahrgang 1964 und einen Festnetztelefonanschluß gab es bei mir zu Hause erst zu meinem 18.Geburtstag (auf meinen WUNSCH hin). Unvorstellbar heutzutage …
    Aufgewachsen mit der StarTrek-Serie, haben mobile Kommunikatoren für mich immernoch einen Hauch von Science Fiction 😉

    Zu den zwischenmenschlichen Nebenwirkungen technischen Spielzeugs kann ich Dir einen „außerirdischen“ Roman von Matt Haig empfehlen. Wenn Du erlaubst, lasse ich nachfolgend den Link zu meiner diesbezüglichen Buchbesprechung hier:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/01/ich-und-die-menschen/

    Auf Wiederlesen!
    Ulrike von Leselebenszeichen

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    • Ich schäme mich sogar selbst dafür, wenn ich kurz am handy bin, da das für frisch ein und aussteigende in der Ubahn z.b. oft so wirkt, als täte ich das shcon die ganze zeit, so versuche ich es komplett zu vermeiden 😉
      Ich fänd einfach ein mittel ding angenehm, ich bin froh dass der technische fortschritt uns bereichert, aber an manchen stellen ist es zu viel des Guten 😉
      ja wenn ich mal zeit habe, werde ich es mir ansehen, danke für den Tipp ;*

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